Neue wissenschaftliche Begründung
Hi, Ihr Liebe, ist grad bei mir reingeflattert (über die APA, Austria Presse Agentur)!
Alles Liebe, Ariel
Innsbrucker Wissenschafter: Zell-Stress führt zu Morbus Crohn
Utl.: Auch Ursache für Colitis ulcerosa - Genveränderungen führen zu
Stress in den Zellen der Darmschleimhaut =
Langfristig Hoffnung für allein rund 500.000 Patienten in Österreich und Deutschland: Genetisch bedingter Stress in den Zellen der Darmschleimhaut (Epithelzellen), jener dünnen Zellschicht, welche die Grenze zwischen der Unmenge an Darmbakterien und dem Organismus darstellt, wurde von einem Innsbrucker Wissenschafter in Zusammenarbeit mit Kollegen in Deutschland und den USA als eine Ursache für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa entdeckt. Die Wissenschafter berichten darüber in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift "Cell" (5. September).
"Veränderungen im XBP1 Gen führen zu Stress in der Eiweiß-Produktionsstelle der Zelle, dem sogenannten endoplasmatischen Retikulum. Das Epithel kann nicht mehr richtig mit Darmbakterien und entzündlichen Signalen umgehen", erklärte der Erstautor der Studie, Arthur Kaser (Universitätsklinik für Innere Medizin II/Gstrologie Innsbruck), gegenüber der APA. An der Studie, die an der Harvard Medical School in Boston entstanden ist, waren auch Wissenschafter in Kiel, Innsbruck und Rotterdam beteiligt.
Obwohl schon lange spekuliert wurde, dass die Epithelzellen eine kritische Rolle bei der Entwicklung von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn spielen könnten, fehlte dafür bisher ein schlagender Beweis. Das Epithel bedeckt die innere Oberfläche des Darms und ist der erste Zelltyp, der Kontakt mit der Umgebung, also den Darmbakterien hat, und somit als primäre Barriere zur Außenwelt wirkt. Diese Barriere befindet sich zwischen den beiden Aspekten, die für die Entwicklung einer chronischen Darmentzündung wichtig sind: Die immense Ansammlung an Bakterien im Darminneren und das Darm-Immunsystem.
Um die Rolle von XBP1 zu untersuchen, haben die Wissenschafter im Mausmodell dieses Gen ausgeschaltet. Dies führte zur sofortigen Entzündung des Darms. Die Krankheitszeichen sahen genauso wie bei den Erkrankungen des Menschen aus. Kaser: "Als Mechanismus dahinter stellte sich die Unfähigkeit des Schleimhaut heraus, mit Darmbakterien angemessen umzugehen und vor allem adäquat auf entzündliche Reize zu reagieren. Wir haben erstmals den Einfluss eines solchen Gens in einem Tiermodell bewiesen und dann auch zum Menschen zurückverfolgen können."
Um zu untersuchen, ob XBP1 ein genetischer Risikofaktor für chronisch entzündliche Darmerkrankungen sein könnte, wurden zusammen mit Co-Autor Stefan Schreiber von der Christian-Albrechts Universität Kiel, einem der Pioniere in der Erforschung der genetischen Ursachen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen, mehr als 5.000 Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie gesunde Personen genetisch analysiert. Dabei konnte eine solche Assoziation nicht nur nachgewiesen werden, sondern sogar spezifische Veränderungen am XBP1 Gen identifiziert werden, die sich dann in weiteren Untersuchungen als tatsächlich entscheidend für die Funktion der Darmschleimwand herausstellten.
Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa kommt es immer wieder zu schweren entzündlichen Schäden im Darm, die bis zur Perforation reichen können. Erst moderne Biotech-Medikamente wie monoklonare Antikörper gegen den Tumornekrosefaktor alpha haben in den vergangenen Jahren eine entscheidende Verbesserung in der Therapie gebracht.
Auswirkungen auf mögliche Therapien
Utl.: Eigentliche Krankheitsursache soll bekämpft werden =
"Obwohl inzwischen etwa zwei Dutzend Gene bekannt sind, die mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa assoziiert sind, ist es uns hier erstmalig gelungen, ein umfassendes Modell der Krankheitsentstehung vom Gen bis zur Darmentzündung zu entwickeln, also den Mechanismus dahinter zu verstehen", sagte der Innsbrucker Wissenschafter Arthur Kaser, der die Untersuchungen zu XBP1 nun an der Medizinischen Universität Innsbruck fortsetzen wird.
"Die therapeutischen Implikationen sind riesig, weil es uns zum ersten Mal erlaubt, Medikamente für ein Molekül zu entwickeln, von dem wir wissen, dass es ein genetischer Risikofaktor für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist" ergänzte Richard Blumberg von der Harvard Medical School, Senior-Autor der Studie. Co-Senior Autor Laurie Glimcher von der Harvard School of Public Health, merkt an: "Als wir XBP1 vor Jahren entdeckten, hatten wir keine Vorstellung, dass sich dieses Molekül einmal als solch zentraler Faktor für eine menschliche Erkrankung herausstellen würde." Förderungsmittel für das Projekt kamen auch vom österreichischen Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF).